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MIAU vor der Maiandacht Text: Helmut Kerren Wir waren 5 Kinder. Mein ältester Bruder war schon außer Haus. Streng religiös erzogen mußten wir im Monat Mai jeden Abend die Mai-Andacht um 18 Uhr in St.Nikolaus besuchen. Der pensionierte Hauptlehrer Wolfsburg stand auf der obersten Stufe, unmittelbar von der Blutbuche entfernt, wie ein General und beobachtete wie sich die Schüler der einzelnen Klassen in Reih und Glied aufstellten. 5 Minuten vor 18 Uhr hatte absolutes Stillschweigen zu herrschen. In dieser absoluten Stille sah ich mich veranlaßt noch einmal kurz aber kräftig "Miau" zu rufen. Der nächste Ruf des "Generals" - wer war das? Niemand verriet mich, aber alle schauten mich an. Mein Urteil war besiegelt. Ich mußte sofort mit dem Oberlehrer in dessen Klassenzimmer, welches im 3. Stockwerk der Schule lag. Was ich damals nicht wußte der Hauptlehrer Wolfsberg war schwer Asthma krank und mit jeder Stufe steigerte sich seine Wut. Im Klassenzimmer angekommen stand neben dem Pult ein Eimer mit Wasser und etwa 4 Weidenstöcke unterschied-licher Stärke je nach Schere des Vergehens. "Miau" war ein Schweres, also bekam ich 2o Schläge auf jede Innenhand. Die Hände schwollen augenblicklich an, doch statt nach Hause zu laufen steckte ich die Hände in die Hosentasche, ging zurück in die Kirche und kniete mich zu den Anderen in die Bank, denn ich wußte daß ich zu Hause kein Mitleid erwarten konnte.
Pflanzort: Hermine Dickhof; Niederkrüchten
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