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Der Krieg ist zu Ende Text: Josef Kerren Der Weg von Teplitz (heute Tscheschiche Republik) nach Hause, nach Brüggen, dauerte vom 8./9. Mai 1945 bis zum 2.Juni 1945. Drei ältere Soldaten, alle in Uniform, aber ohne irgend welche Rangabzeichen, nahmen mich mit. Erste Schwierigkeit war der Weg über die Autobahn Dresden-Chemnitz,  damals Grenze zwischen den Russen im Osten und Amerikanern im  Westen.in der Nacht gelang es uns, unbehelligt in den Westen zu kommen. Ich glaube, keiner hat daran gedacht, wie weit, wie viele Kilometeres bis zu Hause waren. Große Straßen und Städte wurden gemieden. Zu essen gab es unterwegs immer, ebenso Schlafgelegenheit bei Bauern. Sicher war es so, daß in fast jedem Haus, in jeder Familie auf einen heimkehrenden Soldaten gewartet wurde. Die Menschen waren aber auch froh, daß der Krieg endlich zu Ende war, auch wenn niemand ahnte, was der Frieden bringen würde. Autos sah man kaum. Züge fuhren nur selten, ab und zu nahmen Bauern mit  ihren Pferdewagen uns ein Stück mit. Im übrigen kann ich mich nicht erinnern,  daß einer von uns Geld hatte, aber wozu auch?  Man hörte davon, daß die Engländer oder Amerikaner Soldaten  einsammelten, um sie in Lager zu bringen. Da keiner von uns gültige Papiere,  also einen entlassunasschein hatte, war größte Vorsicht geboten. Nach drei Wochen erreichten wir Ende Mai 1945 Düsseldorf. Ich erinnere mich, daß zwei Leute in der Nähe von Brüggen zu Hause waren. Mein "Mitläufer" war Fritz Hasen aus Rheydt. (Vor der Währungsreform 1948 war er mehrmals in Brüggen und wurde von Vater und Mutter mit "Naturalien" beschenkt). Die Rheinbrücke in Düsseldorf war zerstört. Von den Engländern war eine Behelfsbrücke gebaut worden. Auf die linke Rheinseite kam man nur mit gültigen Papieren, als ehemaliger Soldat nur mit einem Entlassungsschein. Den hatten wir beide nicht. Wir hatten erfahren, daß man zur englischen Kommandatur mußte. Die fanden wir in einem unzerstörten Hotel. Wir wurden ausgefragt und für 2 Tage mit mehreren Leuten eingesperrt. Ein Holländer, der als Dolmetscher arbeitete, half uns bei den Befragungen. Wir bekamen einen Zettel mit englischem Text und einem Stempel. In der nähe der Behelfsbrücke, in einer Fabrik, war eine Entlausunasstelle. Wenn man dort heraus kam war man berechtigt, über die Brücke auf die andere Rheinseite zu Gehen. Hier standen LKWs und Traktoren, die mit Möbel und Hausrat beladen waren und die Menschen zurück brachten, die z.B. im Sauerland evakuiert waren. Ich wurde angesprochen und gefragt, wohin ich wolle. Es war Heinz van Lomm aus Brüggen. Das auto gehörte einem Viehhändler aus Brevell. Ich durfte mitfahren und war am Abend des 2.Juni 1945 zu Hause. Auf der Straße an der damaligen evangelischen Kirche hatten dunkelhäutige Soldaten ein Lagerfeuer brennen. Es sah aus, als würden sie Schreibtische aus der gegenüber liegenden Sparkasse verheizen. Ich wurde nicht beachtet. Die Roermonder Straße war menschenleer. Als ich zuhause ankam, tagte dort gerade der "Familienrat" - Opa Josef, Oma Cäcilia, Tante Minchen und Onkel Willi (Kerren). Noch heute spüre ich, daß man mich nicht sehr erfreut, eher reserviert begrüßte. Ich erfuhr, daß Panzer das Haus und die Bäckerei von Tante Minchen stark beschädigt hatten. Am nächsten Tag sollte mit dem Aufräumen begonnen werden. Man sagte mir: "Du wohnst letzt bei uns, bekommst zu essen, also mußt Du auch mit arbeiten." So stand ich also - nach 3 Wochen Fußmarsch quer durch Deutschland- am  3.Juni 1945 auf der Baustelle meiner Tante.  Als ich mich einige Tage später anmeldete - das war vor allem nötig, um  Lebensmittelkarten zu bekommen - war ich der 137igste Einwohner von  Brüggen.  Ende Juli 1945 kam Vater aus amerikanischer Gefangenschaft in Altenburg /  Thüringen zurück.  Heute lachen wir darüber, daß er einen riesigen Rucksack - voll mit  Schuhriemen und farbigem Ordensband - mit schleppte. Ich weiß aber, daß  diese "Materialien" als Tauschobjekte sehr gefragt und bei der Beschaffung  von Lebensmitteln äußerst wertvoll waren.  Auf diesem Gebiet war Vater Alex unschlagbar! Nachdem er zuhause war, ging  es mir wesentlich besser. Er sorgte für alles, vor allem im Hinblick auf die  Heimkehr von Mutter und den Geschwistern aus der russischen Zone.  Von Anfang August bis Dezember 1945 habe ich bei "Onkel Willi" in Bracht-  Alst gearbeitet. Da ich aber meine Lehre als Elektriker nicht beendet und keine  Gesellenprüfung hatte, mußte ich von Januar bis August 1946 eine Nachlehre  bei der Rösler. Draht AG in Waldniet machen. Im Dezember 1946 machte ich die Gesellenprüfung als Elektriker.
Pflanzort: Marlies u. Klaus Beuking; Niederkrüchten Elmt
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