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Erich Heckel am Fronleichnamstag 1914 in der Brüggener Klosterstraße Text: Otto Lehmann „In der Nähe von Brüggen – Entfernung Wiesenweg 1,2 km, Landstraße 2,4 km – liegt das Schloß Dilborn, das in seiner reizenden Lage im Schwalmtale am Fuße des mit herrlichen Laub- und Tannenwäldern bedeckten Dilborner Waldes einen sehr beliebten Ausflugsort bildet.“  Das Künstlerehepaar Heinrich Nauen und Marie von Malachowski hatte in diesem Dilborner Wald ein Malerparadies gefunden und am 1.Juni 1911 dort den Nordturm des idyllisch gelegenen Schlosses bezogen. Im „Sonnenjahr 1911“ kamen bereits die ersten Gäste aus der Kunstszene nach Dilborn. August und Elisabeth Macke, Helmuth Macke, Franz und Marie Marc gelangten vom Brüggener Bahnhof aus auf dem „Wiesenweg“ zu Nauens. Die Kunst-historiker Edwin Redslob und Edwin Suermondt reisten damals schon mit dem Auto an (...) Erich Heckel und seine Begleiterin Siddi weilten (...) im Mai/Juni 1914 für einige Wochen auf Schloss Dilborn. Hier schuf Heckel u. a. einen Werkkomplex „Park Dilborn“, zu dem die Ge-mälde „Park von Dilborn“ und „Park von Dilborn II“, der Holzschnitt „Park in Dilborn“ und die Parksee-Arbeit zählen. „Heckel schuf hier einige seiner schönsten Werke (…). Dilborn war für Heckel ein paradiesisches Refugium in einer unruhigen Zeit. Im Austausch mit den Nauens und ihren Gästen erlebte er den künstlerischen Gleichklang, den er nach der Auflösung der „Brücke“ vermissen musste.“ Ein besonderes Erlebnis war für Heckel das Fronleichnamsfest am 11.Juni 1914 in Brüggen. Er skizzierte die Szene, die ihm die Klosterstraße bot. Aus Dilborn schrieb er sogleich am 12.Juni 1914 an Dr. Walter Kaesbach: „Das Fronleichnamsfest war sehr reizvoll in Brüggen, die Altäre, die engen Straßen mit Fahnen und Blumen auf dem Wege, der Zug der Mädchen, kniende Frauen und Männer. Ich habe all das noch niemals miterlebt.“ Nach dieser Skizze von 1914 entstand 1919 im Berliner Atelier das Gemälde „Fronleich-namstag in Brüggen“. Erich Heckel: Fronleichnamstag in Brüggen, 1914/19, Öl auf Lwd, 94 x 82 cm, nicht  signiert, Städt. Mu-seum Mül-heim an der Ruhr, Dauer-leih-gabe des Landes NRW                       Führer durch Brüggen und seine Umgebung (S.16), hrsg. 1911 vom Verschönerungs- und Verkehrs-verein Brüggen-Born.  Beide 1880 geboren, heirateten 1905 in Dresden und kamen 1911 von Berlin nach Dilborn, wo sie bis 1931 zwei Jahrzehnte lebten und wirkten.  Zitat aus Edwin Suermond: Heinrich Nauen (S.6), Leipzig 1922. Im Sommer 1911 kommen die heißesten Tage seit Beginn des Jahrhunderts. In Berlin steigen die Temperaturen im Juli über 35 Grad im Schatten – Schulen stellen den Unterricht ein.  Der Kunsthistoriker Dr. Edwin Redslob (1884-1973) war damals Direktorialassistent am Suermondt-Museum in Aachen, später Direktor des Städt. Museums (heute Angermuseum) in Erfurt, wo Walter Kaesbach 1920 sein Nachfolger wurde.    „Die Brücke“, ein 1905 in Dresden erfolgter Zusammenschluss zur Künstlergemeinschaft, zu der  E. L. Kirchner, E. Heckel, K. Schmidt-Rottluff und F. Bleyl gehörten, Hinzu kamen: M. Pechstein, O. Mueller und für kurze Zeit E. Nolde – Auflösung 1913.     Auktion Karl und Faber München, 29. November 2007 – Versteigerung des Bildes „Park Dilborn II“, das 2010 in der Ausstellung Schloss Gottdorf bei Schleswig gezeigt wurde.   RZ am 6.6.1914: Die Zeitung berichtete über das Fest der Fahnenweihe des Schützenvereins Strass-dorf zu Pfingsten am 31.Mai und 1.Juni 1914. Da Fronleichnam jeweils ein Donnerstag 10 Tage nach Pfingsten ist, war dieser Tag – dem Bericht entsprechend – 1914 der 11.Juni, an dem Heckel in Brüggen die „Fronleich-namsszene Klosterstraße in Brüggen“ skizzierte.    Erich Heckel an Dr. Walter Kaesbach: Brief aus Dilborn, 12.Juni 1914 – in: Erich Heckel, Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle aus dem Nachlass (S.7 ff.), Brücke-Museum Berlin 1976.   Eine Reproduktion 1:1 hat die Gemeinde Brüggen 2011 für das Rathaus anfertigen lassen. © Nach-lass Erich Heckel, Hemmenhofen.                  
Pflanzort: Karl Buntenbroich; Bedburg Hau
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