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Der Cognac und der „Witte“ Text: Elisabeth Röhlen Diese Anekdote trug sich Anfang der 50ziger Jahre in unserem beschaulichen, kleinen Örtchen Brüggen zu. Die Menschen hatten nach all den Kriegswirren und Verzicht wieder Lust auf Arbeiten, Feiern und alles was zum Leben so dazugehört. Rasch entwickelte sich in dieser Region ein großes Arbeitsfeld; die Tonindustrie. Somit kamen die ersten Übernachtungsgäste nach dem Krieg nach Brüggen. Diese Gäste kamen meist aus weiter entfernten  Städten um hier um Kunden zu werben oder Ihre Produkte zu verkaufen. Nach erledigter Arbeit kehrten auch sie gerne in eine Kneipe ein. So geschah es, dass eines Abends ein fein gekleideter Herr in die Gaststätte,  einer für ihren Humor bekannten Wirtin, einkehrte. Er setzte sich an einen Tisch, die Wirtin fragte ihn nach seinen Wünschen und er bat um einen Cognac. Die Wirtin hatte den Namen des Getränkes schon mal gehört, wusste aber nur, dass es sich um eine braune Flüssigkeit handelte. Zur damaligen Zeit gab es auf dem Land nur „Bier on enne Wette (Schnaps)“. Die kluge Wirtin aber wusste Rat  schnell an einen sogenannten „Cognac“ zu kommen. Da an der Theke wie all abendlich einige Stammgäste standen, beauftragte sie einen er möge schnell mit dem „Wette“ in den Schuppen gehen und ein paar rostige Nägel darein  legen  .Der Stammgast schaute zwar verdutzt die Wirtin an, doch die sagte nur in strengem Ton: „Beeil dich und stell ken domme frore“. Nach ein paar Minuten erschien der Gast mit einem zum Cognac verwandelten „Wetten“ und die Wirtin servierte ihn dem feinen Herrn mit einem spitzbübischen Lächeln. Da der besagte Herr sich das lustige Treiben aus der Entfernung anschaute und immer mehr Lust hatte mit dem lustigen Völkchen ins Gespräch zu kommen, rief er die Wirtin erneut an den Tisch und bestellte für die Thekenbrüder das Getränk dass sie immer trinken „Enne Wette“ .Er wollte auch einen probieren. Nachdem die Wirtin alle versorgt hatte und ihm zu prostete, meinte er der schmecke ja viel besser als der Cognac. Die Wirtin drehte sich rasch um damit er nicht ihr verschmitztes Lächeln sehen konnte. Es wurde eine feucht fröhliche Runde „met fül  Wette“ und einer Völkerverständigung zwischen Stadt und Land . Immer wenn der Herr in Brüggen war ging sein erster Weg nach der Arbeit zu der pfiffigen Wirtin die ihm das „Cognac-Trinken“ ausgetrieben hatte… Ob er jemals die Wahrheit erfahren hat ist nicht überliefert.
Pflanzort: Dagmar Beumeler; Hassum
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