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Pflanzort: Piet Moors; Herkenbosch, NL
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Die Dritten machen Ärger Text: Elisabeth Röhlen Es war in den 50ziger Jahren, der Krieg war zu Ende und auch die Brüggener Bürger sehnten sich danach wieder mit alten Freunden in geselliger Runde ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen… Man traf sich mehrmals wöchentlich in der Kneipe zum Burghof bei Bröcker Erich. Das Bier floss reichlich und es wurde immer lustiger in der Runde. Zu vorgerückter Stunde erschien dann, wie fast allabendlich, ein bekannter Brüggener Geschäftsmann, den ich natürlich namentlich nicht nennen möchte. Er bestellte sein erstes Bier und stellte dann wie immer fest, dass sein nicht gerade gutsitzendes Gebiss ihn störte. Er rief dem Wirt zu: „Erich, donn mech a Jlas Water.“ Der Wirt wusste gleich, dass dieses Glas Wasser nicht zum Trinken gedacht war. Er stellte  das Glas vor seinen Gast und dieser legte in Windeseile, fast unbemerkt von anderen Gästen, seine dritten Zähne in das Glas. Nach diesem Akt, schmeckte ihm das Bier erst so richtig und es wurde manches Glas an dem Abend geleert. Die Stimmung stieg, man lachte, scherzte und hatte sich diese und jene Neuigkeit zu berichten. Zu späterer Stunde und reichlich Alkoholgenuss beschloss man nun den Heimweg anzutreten. “Erich, wo sind min Täng?“ „Din Täng hab ech net! Die hab ech doch vör din Nas jesotte .“ „Do stond se net mier“. Es kam wie es kommen musste, die Zähne waren nicht mehr auffindbar. “Wat sull nun min Frau säge“?, sagte der zahnlose Geschäftsmann. Die Aufregung war riesen groß. Da auch ein Zahnarzt in der Runde weilte und dieses Dilemma mitbekam bot er an aus seiner Praxis, die um die Ecke lag , eine ganze Auswahl an Zähnen zu holen. Sicher würde eine Garnitur passen. Gesagt, getan! Er kam nach 5 Minuten mit einer großen Auswahl an Dritten Zähnen in die Kneipe zurück. Kleine, Große , mit Gold, ohne Gold , die Auswahl war groß. Der pfiffige Zahnarzt hatte jedoch einen Schabernack geplant. Er hatte dem Geschäftsmann vorher das Wasserglas entwendet und die Zähne in seine Rocktasche gesteckt. Nun kam er strahlend wieder, hatte das Gebiss des Geschäftsmannes unter seine mitgebrachten Ersatzteile gemischt und sah interessiert und mit fachmännischem Blick zu wie der Gehörnte ein Gebiss nach dem anderen anprobierte. Fast schon der Verzweiflung nahe kam der Lichtblick, eine Garnitur Zähne sitzt perfekt. Der Dank des Geschäftsmanns war so groß, dass er bis zum Morgengrauen die gesamte  Zeche der Gäste übernahm und immer wieder lobend dem Zahnarzt sagte: “Do has mine Ehefrieden jerettet, wat mense wat min Frau vör ene Aufstand jemekt hät, wenn die des Nooch einem zahnlosen Mann begegnet wör“. Ob der Gehörnte jemals die Wahrheit über den Verbleib seiner Zähne erfahren hat, ist bis heute unbekannt.