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Rückzug durch Brüggen September 44 Friedrich Wilhelm Stroucken zitiert in „Maar Doreen on Oosel einen Augenzeugen, der anonym bleiben möchte: „ Anfang September 1944 stand ich als Urlauber in Uniform auf der Schwalmbrücke in Brüggen. Über die damals durch Brüggen verlaufende Reichsstraße 221 zog ein nicht endender Strom von deutschem Militär nach Osten. Es waren Einheiten, Gruppen von Soldaten und auch einzelne Soldaten, die sich fluchtartig aus Frankreich und Belgien absetzten und nur das eine Ziel kannten, den Rhein zu überqueren, bevor die Alliierten sie gefangen nehmen konnten. Alle waren der Überzeugung, die Alliierten würden innerhalb von Stunden, mindestens in ein paar Tagen auf deutschem Boden stehen. Zu sehen war ein vollkommen chaotischer Haufen. Fahrendes Volk der schlimmsten Sorte war besser organisiert. In der Schlange fanden sich Kraftfahrzeuge aller Art, dicht besetzt mit Soldaten aller Waffengattungen und Ränge, gemischt mit Pferdefuhrwerken auf denen neben Menschen alles Mögliche transportiert wurde. Viele davon waren Dinge, die nicht zur Ausrüstung einer kämpfenden Truppe gehören. Ab und zu dazwischen ein Mercedes mit Generalsstander. In den Wagen Generäle, Offiziere und ihre Damen, denen man ihr Gewerbe deutlich ansah. Die Landser nahmen diesen sogenannten Vorgesetzten gegenüber kein Blatt vor den Mund, und hätte einer der Generäle oder Offiziere den Mund aufgemacht, dann hätten die Soldaten nicht gefackelt. Ich habe einen deutschen Hauptmann gesehen, der mit halb offenen Uniformrock, die Schirmmütze im Nacken mutterseelenallein auf einem Spazierstock gestützt gen Ostern spazierte. Die Spitze von diesem Chaos war ein Lastwagen mit Matrosen. Ich habe sie verwundert gefragt, woher sie kämen und wohin sie wollten. Sie seien auch Cherbourg an der französischen Kanalküste abgehauen und hätten sich quer durch Frankreich und Belgien geschlagen. Sie wollten schnellstmöglich weiter, denn ihnen säßen die Amerikaner im Nacken. Von irgend einem militärischen Gefüge oder Gehabe konnte überhaupt keine Rede mehr sein. So stelle ich mir den Jammerzug vor, als Napoleons Truppen im Winter 1813/14 aus Russland flüchteten. Bei dem Anblick konnte man wahrlich nicht stolz darauf sein, zur deutschen Wehrmacht zu gehören.“
Pflanzort: Ursula Oepen; Jüchen
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